Schätze der Welt - Erbe der Menschheit

Häuser großer Architekten: Das Haus Tugendhat und die Casa Luis Barrágan (Tschechische Republik/Mexi

Quelle: ARD-Pressebild

Das Haus Tugendhat
Es gilt als ein Meisterwerk der klassischen modernen Architektur und ist der bedeutendste Bau Ludwig Mies van der Rohes auf europäischem Boden: Das Haus Tugendhat im tschechischen Brünn. Als es Ende der 1920er Jahre gebaut wurde, war die mährische Metropole bereits ein Zentrum der architektonischen Avantgarde.
Dank des Engagements von Architekten wie Bohuslav Fuchs oder Arnost Wiesner für den sozialen Wohnungsbau entstanden in Brünn unzählige Siedlungen und Wohnhäuser für die breite Masse. Mit dem Haus Tugendhat kam nun ein funktionalistischer Bau für die gehobene Schicht hinzu.
Da Geld für das jüdische Fabrikantenehepaar Grete und Fritz Tugendhat keine Rolle spielte, konnte Mies van der Rohe aus dem Vollen schöpfen und seine ästhetischen Prinzipien zur Vollendung entwickeln. Dazu gehören der freie Grundriss, den Stahlskelettstützen ermöglichen, Wände aus Glas, die im Haus Tugendhat versenkbar sind und Wandelemente aus kostbaren Materialien wie Ebenholz und Onyx. "Die Einfachheit der Konstruktion, die Klarheit der tektonischen Mittel und die Reinheit des Materials", diese Grundsätze hat Mies van der Rohe am Haus Tugendhat so konsequent umgesetzt, dass die Villa zu einem Schlüsselwerk der Moderne wurde. Bis heute gilt es als eines der architektonisch einflussreichsten Wohnhäuser der Welt, weshalb es die Unesco zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Bis 1938 war das Kunstwerk Wohnhaus für die jüdische Fabrikantenfamilie Tugendhat, die der drohende Einmarsch Hitlers in die Tschechoslowakei ins Exil getrieben hat. Das Haus wurde von den Nazis beschlagnahmt, nach 1945 von der Roten Armee. Die kommunistische Tschechoslowakei erklärte es zu einer Anstalt für Heilgymnastik und in den 1960er Jahren endlich zum nationalen Denkmal. Dass eine kapitalistische Villa eines noch dazu deutschen Architekten in der damals kommunistischen Tschechoslowakei dann in den 1980er Jahren renoviert wurde, ist eine beachtliche Leistung, auch wenn der Putz inzwischen schon wieder an allen Ecken und Enden bröckelt. Wenn sich nicht bald Geldgeber für eine neue Instandsetzung finden, droht ein für die Weltarchitektur des 20. Jahrhunderts richtungsweisendes Haus allmählich zu vergammeln.

Casa Luis Barragán
Die Casa Luis Barragán, gebaut 1948, in einem Vorort von Mexico City repräsentiert die Synthese eines ganzen Architektenleben. Weltoffen und introvertiert zugleich war er Asket und Dandy, Geschäftsmann und Künstler. Als langjähriger Vertreter einer spanischen Retroarchitektur, änderte er seinen Stil nach einer Europareise radikal. In wenigen Jahren gelang es ihm die traditionellen Stilelemente seiner Heimat mit der Formensprache der europäischen Moderne zu verbinden.

Die "Casa Barragán" gilt heute mit ihrer genialen Raumaufteilung, der poesievollen Farbgestaltung, dem wilden Garten und einer surrealistisch anmutenden Terrasse als eine der bedeutendsten Bauten der Architekturgeschichte. Der Einfluss Barragáns auf die nachfolgenden Architektengeneration ist dadurch auch international stetig gewachsen. Südamerikanische Kritiker sprechen exstatisch von einer mythischen Mexikanität, und in Japan wird er wegen seiner minimalistischen Formensprache verehrt. Barragáns Arbeit steht ohne Zweifel für Ernsthaftigkeit und Tiefe - Raffinesse und Perfektion - und es ist ihm dazu noch gelungen die oft nüchterne Funktionalität der europäischen Moderne um eine farbenfrohe und phantasievollere Variante zu bereichern.

Dabei wurde er erst spät von der internationalen Architekturkritik entdeckt. Er hat nie etwas außerhalb seines Landes gebaut und die höchste Ehre - der Pritzker Preis - wurde ihm erst im hohen Alter von 78 Jahren zugesprochen. Die wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt" erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern.

Quelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 13.01.2019 um 06:00 Uhr auf SWR.