Kriminelle Betreuer - wie schützt uns der Staat?

Thema: Erbschleichern auf der Spur

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Immer mehr Menschen werden unter rechtliche Betreuung gestellt. Ca. 1,3 Mio Betreute gibt es in Deutschland derzeit. Allein im Jahr 2014 kamen 210 000 neue Betreuungen dazu. Doch viele Menschen haben Angst davor, dass, wenn sie ein Betreuungsfall werden, sie ihren Betreuern quasi wehrlos ausgeliefert sind und diese das ausnützen könnten - bis hin zur Plünderung ihres sämtlichen Vermögens. Und tatsächlich: Eine Studie der Polizeihochschule in Münster von 2014 belegt: Betreuung lockt immer mehr Kriminelle an, denn die Einfallstore für Betrug stehen weit offen.

Das zumindest behauptet Markus Binninger, Co-Autor der Studie. Er hat bayerische Fälle von Betreuungsbetrug systematisch analysiert und kommt zum Schluss, dass Betreuer viel zu wenig kontrolliert werden. Angesichts des immer wieder massiven Machtmissbrauchs wäre seiner Meinung nach eine konsequente Aufarbeitung der Betreuungskriminalität nötig, um Täterstrategien zu analysieren und Staatsanwälte zu schulen - und um potentielle Opfer zu stärken. Auch die Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland prangert die mangelnde Kontrolle der Betreuer an. Die Kritik im Einzelnen: keine standardisierte Ausbildung der Betreuer, jeder kann Betreuer werden! Gesetzliche Betreuer verdienen pro Fall, das führt zu einer Überlastung: bis zu 170 Fälle pro Betreuer! Wer Betreuer wird, legen die Betreuungsbehörden fest.

Nach welchen Kriterien ausgewählt wird, ist für Dritte nicht nachvollziehbar. Ein Rechtspfleger soll den Betreuer kontrollieren, doch auch das passiert kaum effektiv: ein Rechtspfleger ist für bis zu 1000 Betreuer zuständig! Und nicht zuletzt gibt es sowohl zu wenig Transparenz über mögliche Interessenskonflikte, in denen Betreuer stecken können, als auch zu wenig Informations- und Mitwirkungsrechte für Angehörige. Selbst der Landesrechnungshof Schleswig-Holstein kommt deshalb in einer Studie von 2014 zum Schluss: "Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung steht fest, dass das Betreuungssystem nicht so fortbestehen kann, wie es jetzt ist. Es bedarf einer dringenden Überholung." "Ein Systemwechsel ist überfällig!"

"DokThema" stellt das Betreuungssystem auf den Prüfstand und arbeitet heraus, was geändert werden müsste, um effektivere Kontrolle zu gewährleisten. Dabei werden ausführlich Fälle von Betroffenen dargestellt. Zu Wort kommen außerdem Experten aus den Reihen der Polizei und der Betreuungsbehörden, der Verband der Berufsbetreuer und das Bundes-Justizministerium.

Quelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 13.01.2019 um 02:35 Uhr auf tagesschau24.

13.01.2019
02:35
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Schlagwörter:Dokumentation/Reportage, Recht/Justiz, Senioren
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