Materia oscura

Dokumentarfilm Italien 2013

Quelle: ARD-Pressebild

"Irgendetwas stimmt nicht mit dem Kalb", sagt der Bauer zum Tierarzt, der es untersucht. Vieles stimmt hier nicht, in diesem militärischen Sperrgebiet an der Ostküste Sardiniens, das seit 1956 eines der größten Waffentestgebiete der europäischen Streitkräfte ist. Der offizielle Name lautet "Poligono sperimentale e di addestramento interforze Salto di Quirra (PISQ)" - zu Deutsch "Erprobungs- und Übungsplatz Salto di Quirra". Hier testen Regierungen der ganzen Welt "neue Waffen" und die italienische Regierung führt kontrollierte Sprengungen alter, gefährlicher Waffenbestände durch. In der 120 Quadratkilometer großen Region verbirgt sich hinter der schönen Fassade eine schreckliche Gefahr: Das Gebiet ist verseucht und die Kontamination ist außerordentlich hoch. Große Mengen von vergrabenem Müll enthalten Kadmium, Blei, Antimon und Napalm. An mehreren Stränden und im Wasser wurden hohe Bleigehalte gemessen. Zahlreiche tödliche Krebsfälle bei Männern wurden gemeldet, die ihren Wehrdienst auf dem Militärstützpunkt leisteten.

Zu Beginn des Dokumentarfilms werden die Ermittlungen eines Geologen über den Ursprung der von den Militärübungen verursachten Verseuchung gezeigt. Zwischen Meer und Gebirge, inmitten von Ruinen zivil und militärisch genutzter Gebäude, Zielscheiben, Granaten, Patronenhülsen, Radarschirmen, Panzerwracks und Raketenresten trifft er auf zwei Hirtenbrüder, die mit den Überresten eines "fiktiven" Kriegs und dem regelmäßigen Echo der Sprengungen leben müssen.

Im zweiten Teil des Films befassen sich die Filmemacher mit der Geschichte des militärischen Sperrgebiets. Die dortige Filmabteilung hat die Testreihen gefilmt und archiviert. Dieses Material enthält unfassbare Aufnahmen von Raketen, Bomben und Waffen aus aller Welt, kontrollierten Sprengungen und den dadurch entstandenen Druckwellen. Jahrzehntelang spielten sich hier bei laufender Kamera Generalproben für den Ernstfall Krieg ab. Positiv- und Negativfilme, Zeitlupe und Zeitraffer - in der Dunkelheit der Schnitträume rasen die Formen und Farben des Archivmaterials über den Monitor.

Der letzte Teil des Films zeichnet das Porträt von zwei Landwirten, Vater und Sohn. Wir sehen ihnen bei der täglichen Arbeit zu, sehen, was es bedeutet im militärischen Sperrgebiet zu (über)leben. Trotz ebenso unermüdlicher wie leidenschaftlicher Arbeit und aufopfernder Pflege kommen ihre Tiere oft mit Missbildungen zur Welt - ihre Organe sind radioaktiv verstrahlt. So wie das kleine Kalb, für das sie den Tierarzt rufen mussten, und das den Film nicht überlebt.
Mit "Materia oscura" ist Massimo D'Anolfi und Martina Parenti eine radikale Bestandsaufnahme gelungen, die mit nur wenigen Worten klare Aussagen macht. Dabei zelebriert der Film inmitten der katastrophalen Szenarien auch eine gewisse Schönheit in der Destruktion, opulente Landschaftsaufnahmen stehen neben den Kollateralschäden. Der Horror der Zerstörung steigt crescendomäßig an. Anfangs scheint alles friedlich, doch was wie eine Idylle inmitten einer unberührten Natur wirkt, ist in Wahrheit ein Alltag gewordenes Horrorszenario. "Materia oscura" hatte 2013 auf der Berlinale Premiere (Sektion Forum) und lief auf zahlreichen weiteren Festivals, zum Beispiel im internationalen Wettbewerb des Festivals Cinéma du Réel in Paris (2013), und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Quelle: Presseportal

Die Sendung wird ausgestrahlt am Sonntag, den 13.01.2019 um 02:00 Uhr auf arte.

13.01.2019
02:00
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Schlagwörter:Dokumentation/Reportage, Italien, Umweltfragen/Klima
Alternative Ausstrahlungstermine:
13.01.2019 02:00 Uhr arte
02.05.2016 23:25 Uhr arte