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Sympathisanten – Unser Deutscher Herbst

Sympathisanten – Unser Deutscher Herbst

Dokumentarfilm über Künstler und Intellektuelle, die wegen ihrer politischen Haltung oder ihrer Werke in den 1970er Jahren als Befürworter oder Sympathisanten des RAF-Terrors galten. Der Filmemacher Felix Moeller führt in seinem sehr persönlichen Film Gespräche mit seiner damals betroffenen Mutter Margarethe von Trotta und seinem Stiefvater Volker Schlöndorff. Darüber hinaus kommen prominente Denker, Filmemacher und Musiker wie Marius Müller-Westernhagen, Karl-Heinz Dellwo, Daniel Cohn-Bendit, Peter Schneider, René Böll und Christof Wackernagel zu Wort, die ebenfalls der Generation des "Deutschen Herbstes" angehören.

 Filmrezension:
Dr. Kay Hoffmann
Filmpublizist und wissenschaftlicher Leiter im Haus des Dokumentarfilms

Ein Stück Familien- und Filmgeschichte, Gesellschaftsporträt sowie Zeitgeschichte: »Sympathisanten. Unser Deutscher Herbst« von Felix Moeller ist eine sehr persönliche Annäherung an eine aufwühlende und aufgewühlte Zeit. Den Anfang nahm alles 1968 und sie mündete 1977 in den gewalttätigen Deutschen Herbst.

Prominente Künstler, Hochschullehrer und Intellektuelle wurden Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre in der Bundesrepublik leicht als Sympathisanten des Terrors gebrandmarkt und geächtet. Davon erzählt der Regisseur und Historiker Felix Moeller in seinem jüngsten Dokumentarfilm. Er wählt eindringliche Bilder, kombiniert mit zeitgenössischen Dokumenten, Filmausschnitten. Im Zentrum von »Sympathisanten« aber stehen die Gespräche mit seiner Mutter Margarethe von Trotta, seinem Stiefvater Volker Schlöndorff. Außerdem erzählen Peter Schneider, Karl-Heinz Dellwo, Christof Wackernagel, Marius Müller-Westernhagen, René Böll und anderen Zeitgenossen von dieser Epoche.

Die vermeintlichen Sympathisanten der Linksterroristen wurden zum regelrechten Feindbild der Medien. Der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll beklagte ein Klima des Denunziantentums und der Hexenjagd, in dem kein Intellektueller mehr arbeiten könne. Er erwog sogar die Auswanderung. Sein Sohn sieht diese Hetzjagd, angefeuert durch die Springer-Presse, als Ursache für seinen frühen Tod 1985. Helmut Schmied – der damalige Held des Regisseurs – warnte, wer mit Terroristen liebäugle, mache sich mitschuldig.

Als wichtige Quelle des Films erweisen sich die akribisch geführten Tagebücher seiner Mutter, die die Ereignisse protokollieren und zeigen, welche Sichtweise sie damals darauf hatte. Sie sind unglaubliche Fundstücke politisch-gesellschaftlicher Reflexion. »Man war empört, dass ein Staat, der sich als demokratischer Staat ausgibt, dann doch wieder Methoden anwendet, die eigentlich dem Nationalsozialismus zugesprochen werden konnten«, stellt Margarete von Trotta heute fest. Als Jugendlicher erlebte ihr Sohn Felix Moeller eine Razzia der italienischen Polizei in ihrem Ferienhaus in der Toskana. Von daher gelingt ihm eine sehr treffende Darstellung der angespannten Atmosphäre in diesen Jahr, die prägend wurde für die Geschichte Westdeutschlands, denn es wurden Berufsverbote verhängt und bürgerliche Rechte eingeschränkt.

Kombiniert werden die gelungenen Montagen zur Zeitgeschichte – unterlegt mit fetziger Musik – und die zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen mit Ausschnitten beispielsweise aus Spielfilmen wie »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«, die Verfilmung eines Böll-Romans, »Die bleierne Zeit«, »Deutschland im Herbst« und »Die Stille nach dem Schuss«. Alles Produktionen, an denen Volker Schlöndorff und Margarete von Trotta beteiligt waren und die sich mit verschiedenen Aspekten des Terrorismus und den Motiven der Radikalisierung beschäftigten. Ein noch immer stark nachwirkendes Kapitel bundesdeutscher Nachkriegsgeschichte, das mit dem Selbstmord der RAF-Gründer seinen traurigen Hohepunkt fand und die Republik in eine Krise stürzte. Ein notwendiger und längst fälliger Film, der diese aufregende Zeit wieder aufleben lasst, der neugierig und nachdenklich macht.

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    Kinostart:24.05.2018 in Deutschland
    weitere Titel:
    Sympathisanten – Unser Deutscher Herbstdeutsch (Deutschland)
    Genre:Dokumentarfilm,
    Originalsprache:Deutsch,
    Produktionsland:Deutschland,
    Altersfreigabe:
    PersonRolle/Artdeutsche Synchronstimme
    Regie:Felix Moeller
    Kamera:Börres Weiffenbach
    Kumaran Herold

    Gewonnen

    Nominierungen

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