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Rezension zu Die Geschichte vom weinenden Kamel
Während ihrer Kindheit in der Mongolei hatte Byambasuren Davaa vom Hoos-Ritual gehört. Wenn ein Kamel sein Junges verstößt, versuchen die Nomaden die Kamelmutter durch die Musik eines Pferdekopfgeigenspielers und den Gesang eines Kehlkopfsängers so zu rühren, dass sie den Nachwuchs wieder annimmt. Diesem mystischen Brauch wollten Byambasuren
Davaa und Luigi Falorni in ihrem Abschlussfilm nachgehen, der zunächst als 60 Minuten lange TV-Doku geplant war. Gedreht wurde im Frühjahr 2002 in der Wüste Gobi mit kleinem Team und begrenztem Filmmaterial. Es ist eine universelle Geschichte, der Sehnsucht von Liebe und Geborgenheit, dem Leben im Einklang mit der Natur. Allerdings war das Regie-Duo darauf angewiesen, dass eine Kamelmutter ihr Junges verstößt. Die beiden mussten lange suchen, um eine für sie ideale Familie zu finden, in der noch mehrere Generationen in der Jurte zusammenwohnten und die eine entsprechend große Herde besaß, um die Chance auf die Verstoßung eines Jungtiers zu erhöhen. Gestaltungsmittel der Inszenierung halfen, eine emotionale Geschichte erzählen zu können. Der Film ist eine geschickte Mischung aus Dokumentarischem und Inszeniertem, der mit rund 360.000 Besuchern sehr erfolgreich im Kino lief.
Im Stil der beobachtenden Kamera wurden der archaische Alltag und die Kultur der mongolischen Nomaden gedreht. Die Ästhetik des Films ist ruhig, verzichtet auf Zooms, arbeitet dafür mit Festbrennweiten im Super- 16mm-Format. Überwiegend wird mit Stativ gearbeitet, nur bei sehr emotionalen Sequenzen wie der Geburt oder dem weinenden Kamel wählt Luigi Falorni die dynamischere Handkamera. Die Geschichte wird in den Dialogen der Nomaden erzählt und der Film als »wahres Filmmärchen«
verkauft. In der letzten – nachinszenierten – Sequenz wird der Einzug des Satelliten-Fernsehers gezeigt und damit die Vergänglichkeit des Idylls in einer globalisierten Welt. Die Familie besaß allerdings schon einen Fernseher und verbannte ihn für die Dreharbeiten. Es war eine Gratwanderung, das inszenierte und authentische Material so zu mischen, dass es wie aus einem Guss erschien. Gerade der Spannungsaufbau, ob das junge, weiße Kamel gerettet wird, sowie die Parallelmontage vom weinenden Nomadenkind, das von der Mutter getröstet wird, und dem in einem Sturm schreienden jungen Kamel, um das sich die Mutter nicht kümmert, zeigen die exakte Strukturiertheit des Films. 2005 war Byambasuren Davaa mit dem dokumentarischen Spielfilm »Die Höhle des gelben Hundes« ebenfalls erfolgreich im Kino.
