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Rezension zu War Photographer
Eine Reise zu den Konflikten und Kriegen der Welt, zu Trauer, Tod und furchtbarem Elend. Ob nun im Kosovo, Ruanda, Südafrika, Jakarta oder dem Nahen Osten. Der Schweizer Filmemacher Christian Frei begleitet in seinem Dokumentarfilm aus dem Jahr 2001 den international anerkannten und mehrfach ausgezeichneten Kriegsfotografen James Nachtwey bei seiner Arbeit rund um die Welt. Schlüssel für den Film sind zwei Mikrokameras, die von Swiss Effects konstruiert wurden. Die eine nimmt von vorne auf
und zeigt die Kamera und den Fotografen in den zum Teil gefährlichen Situationen, die andere zeigt den Blick des Fotografen auf die Wirklichkeit und den Moment, wenn er auslöst. Diese Position erlaubt quasi, ihm bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Fotos vom Vietnamkrieg haben Nachtweys Berufswahl bestimmt; er arbeitet seit 1980 als freier Fotograf für Magazine und Agenturen. Als »alter Hase« sei er extrem gefährdet, da er sich für unverwundbar halte, sagt ein Reporter im Film. 2003 wird er im
Irak verwundet. Nachtwey selbst sagt zu seiner Aufgabe: »Meiner Meinung nach ist ein Fotograf ein Medium, durch das Bilder hindurchgeleitet werden. (…) Wir sind das erste Bindeglied zwischen der Welt da draußen und der Realität, in dieser Kette von Ereignissen, die man als Journalismus bezeichnet.« Dies macht den Film, der für den Oscar nominiert war und 16 internationale Preise gewann, so spannend.
Frei begleitet den gesamten Prozess des Entstehens und Präsentieren seiner Fotos: Von der Aufnahme, über die Entwicklung bis zu den Diskussionen in den Redaktionen und zur Ausstellung in der Galerie. Eine Szene zeigt die Gestaltung von Bildern in vor-digitaler Zeit durch Belichtung. Wesentlich wichtiger ist das Verhältnis von Nachtwey zu seinen Protagonisten, die er mit Respekt behandelt, und denen er auch nah kommt. Selbst im größten Chaos hat er eine ruhige, zurückhaltende Art, spricht mit leiser Stimme. Er ist sich der Macht der Bilder bewusst, was ihn für Filmregisseur Christian Frei zu keinem einfachen Protagonisten machte. »War Photographer« verzichtet auf jeglichen Kommentar, unterlegt die Bilder aber mit Selbstreflexionen des Fotografen und Interviews, mit Nachtwey und Weggefährten in den Redaktionen wie Stern, Spiegel und Geo. Daneben spielen die Fotos selbst eine große Rolle. Die ruhige, unaufgeregte Musik von Eleni Karaindrou, Arvo Pärt und David Darling weckt Empathie für das Gezeigte. Christian Frei hat diese Arbeitsweise einmal so beschrieben: »Ich mute in meinen Filmen den Zuschauerinnen und Zuschauern die Ambivalenzen und Komplexitäten zu. Ich stehe dazu. Gleichzeitig möchte ich großes Gefühlskino machen.«
11.07.2002
