Fighter

2016

Bei Mixed Martial Arts ist alles erlaubt: Ringen, Kickboxen und Karate, es wird getreten, gehauen und selbst im Liegen noch auf den Gegner eingedroschen. Die Regisseurin Susanne Binninger spürt der Frage nach, was die Akteure daran fasziniert, sich die Körper in einem Käfig blutig prügeln zu lassen.

Rezension zu Fighter
Thomas Schneider
Thomas Schneider
Online-Redakteur im Haus des Dokumentarfilms

Mann zu sein heißt in der Welt der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer: austeilen und einstecken können. Filmemacherin Susanne Binninger kann in ihrem Dokumentarfilm »Fighter« (bei 3sat bis 16.9.2018 in der Mediathek des Senders abrufbar) ganz nah an drei Kämpfer herankommen. Ihr gelingt ein wirkliches nahe gehendes Portrait auf der Suche nach einem Männerbild, das vom Testosteron regiert wird, aber das mehr bietet, als nur eine Geschichte vom Kämpfen.

Es dauert keine Minute, da hat man in Susanne Binningers Dokumentarfilm »Fighter« ein Bild vor Augen, das uns weit in der Filmgeschichte zurück bringt zu einem Spielfilm, der längst zur Ikone geworden ist: Im Morgengrauen läuft ein einsamer Mann in Trainingsklamotten seine Runde im Fight gegen den inneren Schweinehund. Nein, es ist nicht Rocky Balboa, jener von Sylvester Stallone erfundene Boxer, der sich als Underdog nach oben kämpfte. Aber die Ähnlichkeit der Bilder die Binninger und ihr Kameramann Marcus Lenz in ruhigen Einstellungen und detailreichen Szenen erzählen, ist frappant. Auch in »Fighter« geht es nämlich um Underdogs und ihre Kämpfe. Der Unterschied allerdings ist Programm: Ein Happy end wie einst bei Rocke darf hier keiner erwarten.

Drei Kämpfer aus der Mixed-Martial-Arts-Szene begleitet der Film über 100 Minuten lang. Es ist eine im wahrsten Sinne des Wortes hautnahe Beziehung, die hier erzählt werden kann. Das ist vor allem den drei Profisportler Andreas »Big Daddy« Kraniotakes, Khalid »The Warrior« Taha und Lom-Ali »Leon« Eskijew zu verdanken, die mit großer Offenheit das Filmteam an sich heran lassen. So ist »Fighter« mehr als ein Film über den Alltag in einem Sport, der bei uns kaum als Sport anerkannt wird und wegen seiner Brutalität - kaum ein Kampf, bei dem nicht Blut fließt - auch fast kein Geld einbringt. Es ist ein Film über den Drang, sich eine Rolle im Leben zu erboxen. Sich selbst zu überwinden und selbst in der Niederlage zu spüren, dass es richtig war, es versucht zu haben.

»Wenn ich kämpfe«, sagt »Big Daddy« an einer Stelle, »habe ich alles, was ich mir in meine Leben wünsche.« Er hat sich von ganz unten nach irgendwo ein bisschen weiter oben hochgeboxt. Als Einziger in seiner Familie schaffte er das Abitur und sogar das Studium. Wenn man ihn reden hört, spricht da ein gescheiter Mann, der sich zu präsentieren weiß und reflektiert mit sich und seiner Welt umzugehen versteht. Umso krasser ist der Kontrast, wenn er sich in Kampf wirft und der Verstand gegenüber purer Körperlichkeit ausgeschaltet scheint.

Susanne Binninger hat mit »Reine Männersache« für nunmehr fast zehn Jahren vereits einen Film über Männer und die Rollen, die sie erfüllen (sollen), gedreht. In »Fighter« gelingt ihr ein erstaunlich naher Blick in eine Welt, die von Wettkämpfen geprägt wird, in denen es eigentlich nichts zu gewinnen gibt. Außer vielleicht das Gefühl, gelebt zu haben.

Der Film schaffte es in die Vornominierung zum Deutschen Filmpreis.

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Kinostart:04.05.2017 in Deutschland
02.11.2016 beim DOK Leipzig – Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
weitere Titel:
Fighter
Genre:Dokumentarfilm
Herstellungsland:Deutschland
Originalsprache:Deutsch
IMDB: 5
Regie:Susanne Binninger
Drehbuch:Susanne Binninger
Kamera:Marcus Lenz
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Rezensionen:

Datenstand: 19.05.2019 13:36:10Uhr