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Dokumentation über den amerikanischen 70er-Jahre-Folksänger Sixto Rodriguez, der bis vor etwa 15 Jahren als verschollen oder gar tot galt. In Südafrika jedoch wurde aus dem Sänger im Laufe der Zeit eine Musiklegende. Zwei Südafrikaner machen sich auf die Reise, um herauszufinden, was aus ihrem Idol geworden ist.
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Rezension zu Searching for Sugar Man
»Das ist alles zu seltsam, um wahr zu sein«, heißt es an einer Stelle in dem Film, der bei der jüngsten Verleihung der Oscars als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde. In »Searching for Sugar Man« geht es in der Tat um ein Märchen, ein Wunder, um Geheimnisse und um Falschinformationen. Inszeniert ist der Gewinnerfilm wie ein Krimi - oder aber wie ein Märchen made in Hollywood. Bis zuletzt bleiben Zweifel, ob man nicht doch einer »Mockumentary« aufgesessen ist - einer gefälschten Doku. Aber: alles ist echt - echt Hollywood.
Es ist eigentlich eine unglaubliche Geschichte, die dem jetzt mit dem Oscar 2013 ausgezeichneten Dokumentarfilm zugrunde liegt. Und die Inszenierungsform als spannende Enthüllungsdoku trägt ihren Teil dazu bei, um das Gefühl des Geheimnisvollen beim Zuschauer zu maximieren. In »Searching for Sugar Man« wird die Geschichte von Sixto Rodriuez aufgerollt - einem hispanostammigen Musiker aus Detroit, der Anfang der siebziger Jahre zwei Folk-Platten aufnahm. Wegen Erfolglosigkeit - angeblich nur sechs verkaufte Alben in den USA - beendet er seine Karriere, bevor sie überhaupt begonnen hatte.
Die nächsten Jahre und Jahrzehnte lebt Sixto sein früheres Leben weiter - als Bauarbeiter, nicht als Musiker. Doch in Südafrika, Tausende von Kilometern entfernt, und angeblich ganz ohne Kenntnis des Sängers, wurden die Lieder von Rodriguez berühmt. Der Mann wurde zum Star ohne ein Konzert oder einen öffentlichen Auftritt absolviert zu haben - anscheinend auch, ohne Tantiemen erhalten zu haben. Zwei seiner Fans folgt der Film - auf der Suche nach der Wahrheit und nach dem entgegen vieler Gerüchte lebendigen Rodriguez. Der weiß angeblich nichts von seinem fernen Ruhm. Eine Geschichte also, die von vorne bis hinten in Hollywood hätte erfunden werden können.
Die Doku will aufklären und überraschen
Ist so etwas überhaupt möglich? Ist es ein Märchen oder eine Erfindung? Eine Dok-, oder doch eine Mockumentary? Ein großes Stück weit will »Searching für Sugar Man« eine Aufklärungsdoku sein, die einen der größten Skandale in der Unterhaltsbranche jagt. Der schwedische Regisseur Malik Bendjelloul hat die Geschichte auf einer sechsmonatigen Reise durch Afrika aufgetrieben. Angeblich glaubte er von Anfang an daran, dass dies eine Oscar-reife Sache werden könne.
Zunächst plante er, für das schwedische Fernsehen einen sieben Minuten langen Beitrag zu produzieren. Doch das Thema wuchs und wuchs. Obwohl Benjelloul mit günstigen Mitteln arbeitet - er drehte Anfangs auf Super 8, später mit dem iPhone und einem Super-8-Filter - ging ihm langsam das Geld aus. Simon Chinn rettete ihn und den Film. Der erfahrene englische Produzent hatte bereits mit »Man on Wire« einen Riesenerfolg gefeiert - hatte 2009 den Dokus-Oscar geholt.
Seine Handschrift merkt man den fertigen Film durchaus an. Die Story ist auf Supense getrimmt. Die Academy hat das überzeugt. Der Oscar ist auch die Folge einer hoch emotionalisierten Erzählweise. Ob dies bei den Zuschauern im Kino überzeugt? Derzeit wird der Film im Vertrieb von Rapid Eye Movies in einzelnen deutschen Kinos gespielt. Die DVD und eine Musik-CD mit den Songs von Rodriguez sind schon seit Herbst 2012 erhältlich.
27.12.2012