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Rezension zu More than Honey
Mit »More than Honey« ist das weltweite Bienensterben im Kino angekommen. Der Dokumentarfilm von Markus Imhoof entwickelte sich seit seinem Start Ende 2012 zur erfolgreichtsen Kino-Doku der letzten Monate. Mehr als 150.000 Zuschauer wollten den Film über die Ursachen und die Auswirkungen des Ökosystems im Lebensraum der Nektarsammlerinnen bereits auf der großen Leinwand sehen. Nun ist die DVD und Blueray Disk erhältich. Die großen Bilder der kleinen Tiere überzeugen auch im Heimkino.
Natürlich sind Tier- und Naturdokumentationen immer erfolgreich. Und so hatte »More than Honey« vom Start weg gute Karten, um sein Kinopublikum zu finden. Dass es dann doch so viele geworden sind - mehr als das Fünffache, was Dokumentarfilms sonst üblicherweise im Kino erzielen -, hat zwei Ursachen: Die mit kleinsten Hochleistungskameras eingefangenen Bilder der emsigen Tiere sind atemberaubend; und das Thema ist mehr als nur ein Aufreger - es bedroht uns unmittelbar.
Seit Jahrtausenden gehören die Bienen zu den wichtigsten Ernährerinnen der Menschheit. Die Tiere sorgen in ihrem nur sechs Wochen dauernden Leben unermüdlich dafür, dass die Blüten von Bäumen, Sträuchern und Blumen durch indirekte Vermehrung bestäubt werden. Dafür werden sie mit Nektar belohnt, den sie in ihrem Körper zu Honig umwandeln. Der süße Stoff dient dem Bienenwachstum als Nahrungsquelle. Die Menschen profitieren von diesem genialen Ökosystem auf mehrfache Weise. Dabei ist die Honigernte für die Imker zwar wichtig, für die Menschheit aber eher ein willkommener Nebeneffekt. Ohne die Arbeitskraft der Bienen in der Blütezeit der Nutzpflanzen, müsste die Menschheit schnell Hunger leiden.
Eine Bedrohung und viele Ursachen
Dies ist die Grundlage, auf der Regisseur Markus Imhoof seinen Film aufbaut. Der Schweizer Filmemacher hatte in den neunziger Jahren eine Reihe von Dokumentarfilmen gedreht, danach sich aber auf Spielfilme und Theater- wie Operninszenierungen konzentriert. Mit seinem Bienenfilm hat er nun ein ganz großes Thema gefunden. Viermal reiste er mit seinem Teams um die Welt, um die Ursache des golbalen Bienensterbens zu lokalisieren. Die Gründe sind dabei schnell ausgemacht: Zum Beispiel holen sich auf riesigen Monokulturen, die mit chemischen Mitteln gegen Schädlingsbefall geimpft werden, die Bienen nicht nur ihren Nektar, sondern mit ihm auch das Gift, das sie schwächt und letztlich tötet. Auch die Einengung der Zuchtvielfalt durch den Menschen stimmt bedenklich. Letztlich ist es das Zusammenspiel mehrerer Ursachen, das zu einer Bedrohung wird. Aus globalen Krisen sind längst weltweite Gefahren selbst für jene Bienen erwachsen, die scheinbar in Sicherheit in der hohen Bergwelt überleben. Auch sie sind, wie der Film zeigt, vor eingeschleppten Krankheiten und Schädlingen nicht sicher.
Mit einer unglaublichen Tiefe untersucht und erklärt Imhoofs Film, wieso ein so perfektes System wie das der Bienen von uns in wenigen Jahrzehnten gefährdet werden konnte. Dazwischen hat er immer wieder Zeit, mit herrlichen Aufnahmen einfach nur die Großartigkeit dieser kleinen Wunderwerke zu zeigen. Die Geburt einer Biene. gefilmt direkt im Stock, gehört mit zu den beeindruckendsten Momenten der jüngeren Kinogeschichte.
Die DVD bietet von all dem noch mehr. Umfangreiche Szenen und ein Interview mit dem Regisseur ergänzen den Film in sinnvollem Umfang. Auch die Tonspur für Dolby Digital 5.1 / DTS-HD 5.1 kommt voll zum Einsatz. Die wunderbare Filmmusik von Markus Scherer kommt so voll zur Wirkung. Der erfahrene Zürcher Musiker hat unter anderem auch die Dokumentarfilme »Hunger« von Marcus Vetter und »No Man's Land« von Doina Harap vertont.
08.11.2012
23.05.2013
