Trailer
In der bulgarischen Hauptstadt Sofia leben über eine Million Menschen, die von nur 13 Ambulanzen versorgt werden müssen. Das Gesundheitssystem ist erschöpft und das Personal lebt am Minimum. Ein Arzt, eine Krankenschwester und der Fahrer eines Krankenwagens erzählen von Korruption, pausenloser Arbeit und Bedrohung, aber auch von Selbstlosigkeit und Leidenschaft.
Bewertungen im Detail
Auf anderen Plattformen
Rezension zu Sofia’s letzte Ambulanz
76 Minuten lang nimmt der Zuschauer Platz in einem von 13 Rettungswagen der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Er begleitet einen Arzt, eine Krankenschwester und ihren Fahrer. Bei allen Einsätzen, beim Warten auf den nächsten Ruf, bei jedem Kampf gegen Widrigkeiten ist die beobachtende Kamera immer direkt bei diesen drei. Und diese Dichte erzeugt Nähe. Schon lange nicht mehr hat ein Dokumentarfilm stilistisch so überzeugt - und dabei gezeigt, wie man Emotionen aufbauen kann.
Es ist nicht wirklich ein Thema, für das Zehntausende ins Kino streben würden. Das Gesundheitssystem in Bulgarien - ein Moloch, schon klar -, ist eben doch etliche Hundert Kilometer weit entfernt vom Wahrnehmungshorizont des deutschen Publikums.
Doch so kann man sich täuschen und dabei schöne Erfahrungen machen. Denn mit jeder der 75 Minuten des bei uns von W-Film verliehenen Dokumentarfilms »Sofia's Last Ambulance« wächst beim Zuschauer die Nähe zu den drei Protagonisten. Zunächst ist nur die Kamera nah, so nah, wie man es lange nicht mehr gesehen hat. Dann sind es plötzlich der Zuschauer in dieses in einem klapprigen Rettungswagen zusammengeschweißten Teams.
Wir begleiten sie auf zig Einsätze. Von den Patienten selbst sieht man nichts. Immer nur ist die Aufnahmeoptik auf die drei gerichtet - auf Krassimir Yordanov, den Arzt, auf Mila Mikhailova, die Krankenschwester, oder auf Plamen Slavkov, den Fahrer. Und aus einer konsequenten Regie- und Kamerahaltung wird so binnen Minuten ein eindeutiger Stil und letztlich eine enge Verbundenheit mit diesen drei Gesichtern und Menschen. Die Geräusche der Großstadt sind der Rahmen zu einem fast schon essayistischen Exkurs über die echte Emotionen und die Abkehr von der Sensationslust.
Der junge bulgarische Regisseur Ilian Metev liefert hier nach seiner Studienabschlussarbeit »Goleshovo« seinen ersten langen Dokumentarfilm ab. Er hat, bevor er bei uns im Kino gestartet ist, bereits viele Preise namhafter europäischer Festivals einsammeln können - darunter die Silberne Taube von DOK Leipzig 2012.
An dr Produktion hat sich unter anderem WDR (Redaktion: Jutta Krug) beteiligt. Fördergelder kamen von der Film- und Medienstiftung NRW.
14.03.2013