Aktuelle Reportage

Sicher produzieren auch in Krisen

Quelle: Pressebild
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Billiglöhne in Fernost sind nicht alles: Die Corona-Krise stellt unser komplexes Wirtschaftssystem auf die Probe. Produzieren in der Heimat wird für mehr Unternehmen wieder interessant. Gerade die Krise verdeutlicht die Fallstricke einer großen Abhängigkeit von globalen Lieferanten. Das weiß auch der Garten- und Landwirtschaftsgerätehersteller STIHL. Märklin holte nach der Insolvenz 2009 und unter neuer Führung seine Produktion aus China zurück nach Europa. Die Arbeitsweise der Holzkunstwerker aus dem Erzgebirge wirkt in unserer globalisierten Welt etwas anachronistisch, ist jedoch weitestgehend krisenfest.


Gerade die Krise verdeutlicht die Fallstricke einer großen Abhängigkeit von globalen Lieferanten. Zuverlässige Partner, Produktionssicherheit sowie Qualität werden wichtiger als Effizienz und just in time.

Das weiß auch der Garten- und Landwirtschaftsgerätehersteller STIHL. Der Verkaufsschlager, die Kettensäge, wird in mehr als 160 Länder verkauft. Die wichtigsten Teile stellt STIHL selbst her, größere Lager erlauben auch in Krisenzeiten, für eine Weile weiter zu produzieren. "Wir arbeiten nicht nach einem strengen Just-in-time-Konzept, sondern halten immer gewisse Sicherheitsbestände vor. Davon profitieren wir in der aktuellen Situation", so Martin Schwarz, Vorstandsmitglied der STIHL AG.

Für den Modellbahnhersteller Märklin ging es mit der Produktion einmal nach Fernost und dann wieder zurück nach Baden-Württemberg. Nach der Insolvenz 2009 und unter neuer Führung holte das Unternehmen seine Produktion aus China zurück nach Europa. "Wir sind hier wesentlich flexibler, können besser auf die Nachfrage eingehen, Lieferzeiten zuverlässiger einhalten und die Qualität einfacher sicherstellen", so Co-Geschäftsführer Florian Sieber. Die Rückverlagerung nach Deutschland ermöglichte vor allem auch der technische Fortschritt: Lange kamen Roboter überwiegend in der Großindustrie zum Einsatz, jetzt rechnen sie sich auch für kleinere Unternehmen wie Märklin.

Die Arbeitsweise der Holzkunstwerker aus dem Erzgebirge wirkt in unserer globalisierten Welt etwas anachronistisch, ist jedoch weitestgehend krisenfest. Für die Hersteller von Weihnachtsengeln, Schwibbögen und Nussknackern ist die Wertschöpfung vor Ort Alleinstellungsmerkmal und wichtigstes Verkaufsargument. Ganz ohne Outsourcing und mit Qualität müssen sie sich gegen billige Imitate aus Fernost durchsetzen.

Was die globalisierte Wirtschaft mit einer Region in einem Hochlohnland macht, lässt sich in Amiens in Frankreich beobachten. Immer mehr Firmen gaben hier ihre Produktionsstandorte auf, hinterließen leere Fabrikhallen und eine hohe Arbeitslosigkeit. Der Unternehmer François Company hat eine Strategie entwickelt, den alten Standort wiederzubeleben.

Die Sendung wird ausgestrahlt am Mittwoch, den 16.09.2020 um 18:00 Uhr auf Phoenix.